Die Trends der SXSW 2017

Das South-by-Southwest-Festival – kurz: SXSW – in Austin, Texas, gilt zu Recht als eine der größten und wichtigsten Konferenzen, wenn es um zukunftsweisende Themen aus den Bereichen Interactive, Film und Musik geht. Gestartet 1987 als reines Musik-Festival hat es sich mittlerweile zu einer der Digital-Konferenzen von weltweiter Bedeutung gemausert. Mit über 1.000 angebotenen Sessions und mehr als 30.000 Besuchern aus 86 Ländern verdient es vor allem eine Bezeichnung: Gigantisch. Es lohnt sich also, einmal zu schauen, was die bestimmenden Themen beim SXSW 2017 waren.

Bots

Schon bei Durchsicht des Programms der SXSW zeigte sich insbesondere ein Thema als omnipräsent: Chatbots und ihre nahen Verwandten. Was wir dort derzeit beobachten können ist die vierte Evolution der Mensch-Computer-Interaktion: Zunächst bedienten wir Computer mit Kommandos, dann begann das Zeitalter des Klicks, gefolgt vom smartphonegetriebenen Touch. Das neue Interaktionsmodell heißt heutzutage jedoch Konversation – sei es in geschriebener oder gar gesprochener Form.

Ob und inwieweit Gestensteuerung sich durchsetzen wird, bleibt zwar abzuwarten, die Speaker auf der SXS setzten jedoch mit großer Mehrheit auf das Konversationsmodell. Insbesondere Amazons Alexa und ihre nahen Verwandten spielten immer wieder eine Rolle, da sich schon heute eine Vielzahl und in naher Zukunft eine Mehrzahl an Geräten über Sprache wird steuern lassen – von der Kaffeemaschine übers Auto bis hin zum heute bereits verbreiteten Steuern der eigenen vier Wände (Licht, Sicherheit, Wärme, Entertainment), die dank Alexa und Google Home allesamt aufs Wort gehorchen.

Wichtige Botschaft aller Speaker war jedoch, dass jedes Unternehmen, ob im B2B oder B2C angesiedelt, jetzt in die Bot-Technologie einsteigen sollte. Dank immer fortschrittlicherer Text- und Semantikerkennung, künstlicher Intelligenz und Machine Learning können immer bessere Chatbots gebaut werden – mit Interaktionsraten, die schon heute höher liegen als die Interaktionsraten mit menschlichen Service-Agenten.

AI/ML – Artificial Intelligence und Machine Learning

Ein weiterer, stark vertretener Themenkomplex befasste sich mit Artificial Intelligence und Machine Learning. Die Bandbreite reichte hier von euphorischen bis hin zu extrem kritischen Beiträgen, die sich zum Beispiel mit der Frage beschäftigten, was passiert, wenn die künstliche der menschlichen Intelligenz weit überlegen ist – Skynet und HAL lassen grüßen. Auch die Auswirkungen von AI und ML auf unser aller Arbeitsleben tauchten an verschiedenen Stellen immer wieder auf.

Besonders hervorzuheben war hier sicherlich die Session „What to do when machines do everything“, in der der Autor des gleichnamigen Buches Malcolm Frank dem Gedanken nachging, was eigentlich die Aufgabe des Menschen in einer Welt ist, in der zum Beispiel das Fahren von Autos, medizinische Betreuung oder das Verwalten von Finanzen besser und günstiger von Maschinen übernommen wird. Seine Mut machende Botschaft: Nur ein geringer Anteil der heute existierenden Arbeitsplätze wird dadurch tatsächlich überflüssig, dafür werden einige neu geschaffen und die allermeisten nachhaltig qualitativ verbessert, da insbesondere stumpfe Routinetätigkeiten besser von Maschinen erledigt werden können.

VR/AR- Virtual Reality und Augmented Reality

Nicht zuletzt seit dem Hype um Pokémon Go ist Augmented Reality, kurz AR, wieder in aller Munde. Auch auf der SXSW gab es jede Menge Vorträge, Panel-Diskussionen, Aussteller und Start-Ups, die sich mit AR beschäftigten. Neben den naheliegenden Themen aus dem Entertainment-Bereich (Spiele etc.) lag ein besonderer Fokus auf dem edukativen Sektor. Ob beim Aufbau eines Möbelstückes, der eingeblendeten Zusatzinformation am Supermarktregal oder als womöglich lebensrettende Hinweise bei einem chirurgischen Eingriff – die Anwendungen werden immer vielfältiger und praxisbezogener.

Neben der Augmented Reality war insbesondere bei der begleitenden SXSW Expo sehr viel Virtual Reality (VR) vertreten. Hier liegt der Schwerpunkt jedoch noch ganz klar im Entertainment-Bereich. Highlight war unter anderem die Simulation einer Mars-Erkundungs-Mission der NASA, die sich dank VR so echt anfühlte, als würde man tatsächlich über die Oberfläche unseres roten Nachbarn wandeln und fahren.

IoT – Internet of Things

Auch wenn es durch Smarthome-Anwendungen und Wearables heute schon eine ganze Menge an Anwendungsformen des Internet of Things gibt, steckt die Entwicklung insgesamt noch in den Kinderschuhen. Zum einen, weil insbesondere Wearables heutzutage eher ein Fashion Statement denn eine wirklich vernetzte Datenquelle oder Steuerungseinheit sind, zum anderen, weil es sich in den meisten Fällen noch um kaum integrierte Insellösungen handelt.

Wohin die Reise gehen kann, konnten man unter andrem sehr schön bei einem Start-Up aus Austin sehen: Kasita. Kasita hat es sich zur Aufgabe gemacht, aus dem Wohnort „Haus“ ein Produkt zu machen – ein Produkt, dass zum einen über voll integrierte IoT-Technologie von Alexa bis Sonos verfügt und zum anderen zentral über eine einzige App gesteuert wird. „Der Schwerpunkt von Kasitas liegt ganz klar auf der User Experience. Wenn du ein Date nach Hause bringst, willst du nicht erst 20 Apps bedienen, sondern einfach Alexa sagen ‚Alexa, schalte Date Night ein‘“, so der Gründer von Kasitas, Jeff Wilson. Das nur 32 Quadratmeter große und rund 140.000 Dollar teure, voll integrierte Haus nennt sich selbst „the first seamless smart home“.