COVID-19 oder: Das Ende des Buzzword-Bingo

Ja, zugegebenermaßen hat die Pandemie zunächst einmal eine ganze Reihe neuer Buzzwords und Hype-Begriffe geschaffen. Allen voran sicherlich „The New Normal“, gefolgt von „Remote Work“. Dennoch hat Sars-Cov-2 (das Virus) bzw. Covid-19 (die Krankheit) vor allem dazu geführt, dass es nicht mehr Berater, Keynote Speaker oder Management-Vordenker sind, die die Diskussion bestimmen, sondern eine Krise globalen Ausmaßes.

Die Krise hat dazu geführt, dass es heute genau drei Arten von Organisationen gibt: Die, die bereits vorher ausreichend digitalisiert waren oder sogar rein digital unterwegs waren (die Gewinner), die, die jetzt plötzlich zur Digitalisierung gezwungen werden (die Kämpfer) und die, die entweder bereits den Löffel abgegeben haben oder aber nur durch staatliche Hilfen weiterleben können (die Zombies).

Fakt ist, dass vor allem die rein digitalen Player von der Krise enorm profitieren konnten. E-Commerce-Umsätze explodieren, Videokonferenz-Anbieter sind plötzlich mehr wert als die 7 größten Airlines der Welt und Anbieter der technischen Infrastruktur wissen nicht mehr, wohin mit den ganzen Anfragen und Aufträgen.

Aber ist diese Entwicklung auch nachhaltig? Oder handelt es sich nur um einen kurzen Hype wie bei der Blockchain-Technologie, die ja alles ganz grundsätzlich verändern sollte? Vieles spricht dafür, dass es tatsächlich grundlegende Veränderungen gibt, auf die wir uns einstellen müssen.

Vor allem anderen betrifft dies die Art, wie und wo wir arbeiten. Auf der ganzen Welt erkennen Unternehmen und Mitarbeiter gleichermaßen, welche Vorteile (und auch Nachteile!) die Arbeit aus dem Home Office hat. Meetingräume sind keine Engpass-Ressource mehr, unproduktive Pendelzeiten zur und von der Arbeit entfallen, die Work-Life-Balance ermöglicht plötzlich mehr „Life“ und die Umwelt erfreut sich einer Erholung, die ohne Krise und Lockdown noch Jahre oder Jahrzehnte auf sich hätte warten lassen. Auf der anderen Seite: Feierabend kann nicht mehr erlebt, sondern muss aktiv entschieden werden, soziale Interaktionen werden zur Mangelware, kreatives Ping-Pong hat viel an Dynamik verloren und Rückenleiden werden enorm zunehmen.

Eine der großen Herausforderungen der Zukunft wird darin liegen, Unternehmen nicht nur zu digitalisieren, sondern vor allem dem Menschen in dieser neuen, digitalen Welt die Rahmenbedingungen zu geben, die er benötigt, um maximal kreativ, produktiv und effektiv zu sein. Wir sind keine Roboter; wir brauchen die nicht bewusst wahrnehmbaren Faktoren wie Gestik, Olfaktorik und Sympathie.

Und genau an dieser Stelle möchte ich Sie zum Dialog einladen: Wie wird, wie muss sich das Projektmanagement der Zukunft auf Remote Work und digitales Arbeiten einstellen? Gibt es hier systematische Vorteile des einen oder anderen Systems? Befeuert Covid-19 den Siegeszug agiler Methoden wie SCRUM? Sind OKR den KPI systemisch überlegen? Und können Methoden, die extrem von menschlicher Interaktion abhängen, wie z.B. Design Thinking, überhaupt rein digital funktionieren?

Lassen Sie uns diskutieren. Und zwar nicht im geschlossenen Raum, sondern dort, wo die neue digitale Öffentlichkeit existiert: Hier, auf LinkedIn.